Erklärung zur Veranstaltung am 9. November 2025
Anlässlich der städtischen Ehrung zum 9. November an der ehemaligen Synagoge in der Schülerstraße erklärt die Vorsitzende des Stadtverbandes Die Linke Gera, Cornelia Müller:
Der 9. November ist ein besonderes Datum in der deutschen Geschichte. Er steht einerseits für die Hoffnung nach dem ersten Weltkrieg, den deutschen Militarismus zu überwinden. Und er steht für die Hoffnung nicht weniger Menschen in Deutschland 1989, die deutsche Einheit als den Prozess einer gleichberechtigten Partnerschaft zu einem geeinten Deutschland zu gestalten.
Aber: Der 9. November 1938 ist vor allem der Beginn einer unmenschlichen und entwürdigenden öffentlichen Behandlung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland. “Kauft nicht beim Juden”, der Zwang zum Tragen des Judensterns, die Stigmatisierung der jüdischen Bevölkerung im Stadtbild und letztlich die Deportation tausender Frauen, Männer, Kinder in die Vernichtungslager der Nazis. Der Völkermord an den Juden war das Ergebnis einer rassistischen, gewaltverherrlichenden und menschenverachtenden Politik. Diesem Völkermord vorausgegangen ist eine öffentlich sichtbare Diskriminierung einer ganzen Bevölkerungsgruppe im damaligen Dritten Reich und darüber hinaus in den besetzten Ländern Europas.
Dieser Opfer zu gedenken bedeutet zu appellieren an Menschlichkeit, an Solidarität und Zivilcourage. Niemals wieder darf sich wiederholen, was nach 1933 und insbesondere nach 1938 in Deutschland geschah: das Menschen wegschauen, schweigen und anderen Menschen ihre Hilfe verwehren. Gerade deshalb ist es notwendig darauf hinzuweisen, dass das Gedenken an diesem Tage die Opfer dieses Völkermordes in den Mittelpunkt stellt.
Die Würde des Menschen ist unantastbar, mit diesem Gebot zieht das Grundgesetz die Lehre aus der deutschen Geschichte.
Deshalb ist es besonders unerträglich, wenn eine Partei am 9. November Gedenken heuchelt, aber in der aktuellen Politik rassistische, ausländerfeindliche und damit rechtsradikale Positionen vertritt.
Die Stadt Gera, Verwaltungsspitze, Stadtrat und Zivilgesellschaft müssen sich fragen, ob sie mit solchen politischen Kräften am 9. November gedenken will.(Pressemitteilung)
