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Europaabgeordneter Martin Schirdewan besuchte Gera

MdL Dieter Hausold, MdEP Martin Schirdewan, Europabüro-Mitarbeiterinnen Martens und Hartenstein-Drobny

Die Schüler hören sichtlich interessiert zu, verfallen aber in betretendes Schweigen sobald er sie dazu ermuntert Fragen zu stellen. Der Abgeordnete weiß sich aber zu helfen und dreht den Spieß einfach um indem die Schüler befragt, was sie den über den Brexit wissen. Und siehe da, die Schüler sind wohl doch sehr gut informiert. So erklärt einer der Schüler welche fatalen Folgen ein Austritt Großbritanniens aus der EU für Schottland hätte, welches im hohen Maße von EU-Geldern und Zuschüssen abhängig ist.
Die Stichwahl zum Präsidenten Frankreichs benutzt Schirdewan um auf die Debatte hinzuführen, vor der die gesamte EU zu stehen scheint: „Mehr EU oder weniger“. Er fragt welche Bedeutung Europa für die Schüler hat und was sie sich darunter vorstellen. Ratlose Gesichter. Schließlich meldet sich ein Schüler doch und meint, dass Europa für seine Generation ja ganz selbst verständlich ist und man es sich gar nicht anders vorstellen könnte.
Über die EU-Politik kam die Diskussion dann auch auf das Thema, was ganz Deutschland in den letzten 3 Jahren sehr bewegt hat. Die Flüchtlingsdebatte. „Warum haben sie so neue Handys? Wo nehmen sie das Geld her? Warum wird erst denen geholfen und dann Deutschen?“ Auch der mangelnde Respekt, besonders vor Frauen, scheint die Schüler zu bewegen. Der EU-Abgeordnete stellt klar das manche solcher Aussagen nicht immer den Tatsachen entsprechen, so bekommt ein Asylsuchender nicht mehr als ein Hartz IV-Empfänger. Meint aber gleich auch, dass man in der Tat mehr in das Sozialwesen investieren muss. Viele der Zuwanderer sind auch Fachkräfte, die Deutschland dringend braucht.
Beim Thema Fachkräfte schaltet sich die Lehrerin ein und fragt, wie es denn sein kann, dass viele Fachkräfte aus anderen EU-Ländern in Deutschland arbeiten, nur um noch billiger zu sein als der vorgeschriebene Mindestlohn eigentlich vorschreibt. Martin Schirdewan weist daraufhin, dass Lohn-Dumping ein Problem ist, dass in der Tat auf europäischer Ebene gelöst werden kann. Gleiche Arbeit, Gleicher Lohn.
Eine große Thematik für die Schüler der 10a ist es auch, ob man sich überhaupt einen Beruf hier in der Heimat suchen sollte, wenn man doch im Westen Deutschlands besser bezahlt wird. Die Meinung gehen bei den Schülern weit auseinander. Manche können es sich fast nicht vorstellen im Osten zu bleiben oder können es gar nicht, weil ihre Wunschausbildung hier nicht angeboten wird. Anderen ist ihre Heimat aber auch so wichtig, dass sie über geringere Löhne hinwegsehen.
Ein wichtiges Instrument um auch hier lukrative Jobs erzeugen, sind zukunftsorientierte Investitionen. Schirdewan stößt mit dieser Forderung nicht auf taube Ohren. Gleiche mehrere Schüler wissen was eine sogenannte künstliche Intelligenz ist. Manche der Schüler sehen in der zunehmenden Digitalisierung aber auch Gefahren für den Arbeitsmarkt. Das ist wohl die zentrale Frage der Zukunft, meint der Abgeordnete des Thüringer Landtags Dieter Hausold. Wie wird man mit den neuen Technologien umgehen. Wird man sie für das Allgemeinwohl einsetzen können, zum Beispiel in der Altenpflege, oder wird der Gewinn wieder nur in die Hände weniger Unternehmen fließen.
Hier wäre eigentlich die Zeit für den Besuch abgelaufen, weil die nächste Unterrichtsstunde beginnt. Durch Absprache unter den Lehrern ist es nun doch möglich die Diskussion in der anschließenden Mathe-Stunde fortzusetzen, sehr zur Freude der Schüler. Diese, nun deutlich entspannter, haben noch einige Fragen an den Abgeordneten.
Wie kann es sein, dass Unternehmen sich um die Zahlung des Mindestlohnes drücken? Wie kann es sein, dass es immer noch einen Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen gibt? Was plant die EU langfristig im Umweltschutz? All diese Fragen kann der Europa-Abgeordnete sicher beantworten und an Beispielen verdeutlichen.
Schließlich fragt der Sozialkundelehrer noch, ob er schonmal in Kontakt mit Lobbyismus gekommen sei und was der größte Erfolg für ihn war. Schirdewan kann beide Fragen mit einmal beantworten. Natürlich hatte er schon mit Lobbyismus zu tun, anders ist das in Brüssel gar nicht möglich. Sein größtes Erfolgserlebnis hat auch gleich damit zu tun. Zusammen mit Journalisten ist es ihm gelungen mehr öffentliches Licht auf eine von Unternehmen gestützte Initiative zu lenken, welche vorsieht, Renten in der EU immer weiter zu privatisieren.
Am Ende der Diskussionsrunde ermutigt Martin Schirdewan die Schüler sich Problemen zu stellen und die eigene Zukunft zu gestalten.
Treffen mit dem Europabüro Ostthüringen
Nach einem kurzen Fotoshooting in den Büroräumen stellen die Mitarbeiterinnen Martens und Hartenstein-Drobny die Praxisarbeit ihrer Einrichtung vor. Das unter anderem von dem ESF geförderte Projekt besteht seit 12 Jahren. Die Außenwirkung der Regionen war und ist eine der Hauptaufgaben der Einrichtung. Die Betreuung und Unterbringung von Fachkräften aus dem EU-Ausland stellt die wichtigste Aufgabe dar. Um diese Aufgaben überhaupt erfüllen zu können sind internationale Netzwerke aus verschiedenen Partnern und Organisationen von enormer Wichtigkeit. In ihren Beruf geht es auch immer wieder um die Einarbeitung in die persönlichen Probleme und Anforderungen einzelner Antragsteller.
Dabei fallen immer wieder verschiedenste Probleme an. Unter anderem kann man sich auch nur um kleinere bis mittlere Unternehmen kümmern. Somit fallen große Unternehmen, die die finanziellen Möglichkeiten für wirklich große Projekte hätten, weg. Aber das ist nur ein geringes Problem gegenüber dem, was der enorme Berg an Bürokratie für die Anträge bedeutet. Das Problem ist so vielschichtig, dass man gar nicht weiß wo man anfangen soll. Vielleicht mit einem Beispiel: Eine perfekt ausgebildete Spanierin kann Deutschland nicht arbeiten, obwohl sie mehr als ausreichende Qualifikationen hat. Warum? Wer sich in Spanien auf soziale Arbeit konzentriert, hat keine Mathe-Unterricht mehr. Und damit wird der Abschluss in Deutschland nicht anerkannt. Ein anderes Problem ist die Sprach-Qualifikation. Wer in Deutschland arbeiten will, braucht eine solch gute sprachliche Kenntnis, dass er diese ohne Job gar nicht finanzieren kann oder im Heimatland gar nicht angeboten wird.
Hier sieht man dringenden Änderungsbedarf und eine Verringerung des bürokratischen Aufwandes ist unbedingt nötig. So verzichten einzelne Unternehmen auf Projekte, weil der Aufwand den Nutzen übersteigt.
Aber es geht nicht immer nur um andere europäische Länder. Einige Familien, die für höhere Löhne in den Westen gezogen sind, orientieren sich zurück in die Heimat. Gera hat auch Vorteile gegenüber anderen Regionen. Dazu zählt zum Beispiel, dass hier Kita-Plätze zu finden sind, dass Wohnraum im Vergleich bezahlbar ist und das Gera eine gute medizinische Versorgung bietet.
Leider ist auch das Europabüro von Kürzungen bedroht. So plant die EU die Kürzung des ESF, welcher das Projekt teilweise finanziert.
Trotz der bürokratischen Hürden hat das Büro auch von vielen Erfolgen zu berichten. Im Rahmen der Weiterbildungsrichtlinien konnte man Praktika bei verschiedenen Unternehmen in ganz Europa machen. Dies sorgte für große Resonanz. Im Rahmen des Erasmus-Programms konnte ein Austausch mits Pflegern in Vilnius und Paris stattfinden. Erst neulich konnten zwei Spanier aus Madrid ein Praktikum in Gera und Lederhose absolvieren.
Man sieht Gera ist in Europa durchaus gefragt. Man würde sich nur wünschen, dass Europa noch mehr in den Köpfen der Menschen ankommen würde. (21.08.2018).
https://www.dielinke-europa.eu/de/topic/1140.martin-schirdewan.html


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