"Klar und deutlich für mehr direkte Demokratie" -
Andreas Schubert über die Zukunft der Linken

Interview in der OTZ/TLZ Gera am 18. November 2009

Herr Schubert, mit 39 Jahren sind Sie ein junger Vorsitzender der Geraer Linken, bedenkt man die Altersstruktur der Partei. Gibt es Akzeptanzprobleme?
Nein, in Gera gibt es die nicht. Der Weg für junge Kandidaten wurde schon zur Stadtratswahl frei gemacht.

Sie werden die Partei verjüngen müssen. Wie soll das gelingen?
Wir wollen zum einen die Linksjugend stärken und zum anderen mehr Informationsveranstaltungen für junge Erwachsene anbieten. Unser Ziel ist es, aus Sympathisanten Mitglieder zu machen.

Wie wollen Sie das erreichen?
Wir wollen als Interessenvertreter erlebbar sein und zeigen, dass wir Druck machen. So wie beim Volksbegehren für mehr Demokratie. Bündnispartner müssen wir auch außerhalb der Parlamente suchen. Neben dem Jugendweihe-Verein wollen wir auch dem Stadtjugendring oder dem Stadtsportbund arbeiten.

Wie sieht es im Stadtrat mit der Zusammenarbeit über die Lagergrenzen hinweg aus?
Eine enge, belastbare Kooperation ist nicht vorstellbar mit Parteien wie einer CDU, die uns noch im Landtagswahlkampf diffamiert hat. In einzelnen Sachfragen ist eine Zusammenarbeit natürlich möglich, zum Beispiel am Runden Tisch für Toleranz und Menschlichkeit.

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit als neuer Vorsitzender?
Klar und deutlich treten wir auch in Auseinandersetzung mit der CDU für direkte Demokratie ein und machen uns für einen Bürgerhaushalt stark. Die Geraer haben bewiesen, dass sie ein Gespür dafür haben, was gut ist für die Stadt und was nicht - ich erinnere an den Versuch, Straßenbahngleise in die USA zu vermieten.

Ein anderes linkes Thema sind Privatisierungen. Bald wird der Neubau am Waldklinikum eingeweiht. Ein Grund zu Freude?
Die Linke bezweifelt bis heute, dass eine Modernisierung des Hauses nur in privater Trägerschaft möglich gewesen sein soll. Wir wissen noch immer nicht, für wie viel das Klinikum letztlich verkauft worden ist. Unsere Befürchtungen, dass weniger Personal mehr leisten muss, haben sich offensichtlich bestätigt.

2012 wählt Gera den Oberbürgermeister. Einen linken?
Ich möchte nichts ausschließen wollen.

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