Interview in der OTZ/TLZ Gera am 18. November 2009
Herr Schubert, mit 39 Jahren sind Sie ein junger Vorsitzender der Geraer
Linken, bedenkt man die Altersstruktur der Partei. Gibt es
Akzeptanzprobleme?
Nein, in Gera gibt es die nicht. Der Weg für junge Kandidaten wurde schon
zur Stadtratswahl frei gemacht.
Sie werden die Partei verjüngen müssen. Wie soll das gelingen?
Wir wollen zum einen die Linksjugend stärken und zum anderen mehr
Informationsveranstaltungen für junge Erwachsene anbieten. Unser Ziel ist
es, aus Sympathisanten Mitglieder zu machen.
Wie wollen Sie das erreichen?
Wir wollen als Interessenvertreter erlebbar sein und zeigen, dass wir Druck
machen. So wie beim Volksbegehren für mehr Demokratie. Bündnispartner müssen
wir auch außerhalb der Parlamente suchen. Neben dem Jugendweihe-Verein
wollen wir auch dem Stadtjugendring oder dem Stadtsportbund arbeiten.
Wie sieht es im Stadtrat mit der Zusammenarbeit über die Lagergrenzen hinweg
aus?
Eine enge, belastbare Kooperation ist nicht vorstellbar mit Parteien wie
einer CDU, die uns noch im Landtagswahlkampf diffamiert hat. In einzelnen
Sachfragen ist eine Zusammenarbeit natürlich möglich, zum Beispiel am Runden
Tisch für Toleranz und Menschlichkeit.
Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit als neuer Vorsitzender?
Klar und deutlich treten wir auch in Auseinandersetzung mit der CDU für
direkte Demokratie ein und machen uns für einen Bürgerhaushalt stark. Die
Geraer haben bewiesen, dass sie ein Gespür dafür haben, was gut ist für die
Stadt und was nicht - ich erinnere an den Versuch, Straßenbahngleise in die
USA zu vermieten.
Ein anderes linkes Thema sind Privatisierungen. Bald wird der Neubau am
Waldklinikum eingeweiht. Ein Grund zu Freude?
Die Linke bezweifelt bis heute, dass eine Modernisierung des Hauses nur in
privater Trägerschaft möglich gewesen sein soll. Wir wissen noch immer
nicht, für wie viel das Klinikum letztlich verkauft worden ist. Unsere
Befürchtungen, dass weniger Personal mehr leisten muss, haben sich
offensichtlich bestätigt.
2012 wählt Gera den Oberbürgermeister. Einen linken?
Ich möchte nichts ausschließen wollen.