Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Herr Vorsitzender,
werte Stadtratskolleginnen und -kollegen,
liebe Bürgerinnen und Bürger zu Hause vor den Bildschirmen,
liebe Gäste.

In der Vorlage 7/2010 geht es ebenfalls um Armut wie in TOP 5, speziell aber um Kinderarmut. Denn auch in Gera sind 50 % der Kinder davon betroffen.

Die Vorlage beinhaltet, dass die Möglichkeit geschaffen werden soll, dass auch die Kinder, die in Schulen in freier Trägerschaft gehen, ebenfalls einen Zuschuss zur Schülerspeisung bekommen können. - In Gera werden drei Schulen in freier Trägerschaft geführt - Die Schule für individuelle Lebensbewältigung der Lebenshilfe Gera e.V - Die Freie Waldorfschule - BIP Kreativitätsgrundschule Im Grunde keine große Sache unter dem Blickwinkel der Gleichbehandlung aller Schülerin unserer Stadt.

Da aber auch bei diesem Antrag Geld benötigt wird, geht hier die große Diskussion los, deshalb einige Fakten, die unsere Stadt betreffen, zu diesem Thema.

Im Jahr 2009 gab es schon einen Beschluss über die Essensgeldbezuschussung, hierzu ist zu sagen, dass die Anzahl der Kinder, die für ihr Mittagessen einen städtischen Zuschuss erhalten, von Monat zu Monat gestiegen ist. Im Mai 2009 waren es noch 430 Kinder (das sind 15,8% der Kinder in der 1- 4. Klasse sind)

Im November waren es schon 510 Kinder, dass sind 19 % der Kinder.
Also ein Wachstum von 3, 2 % . Wenn wir dieses Wachstum in der Wirtschaft hätten wäre das mal erfreulich, jedoch sicherlich nicht zu erreichen mit diesen im Verhältnis gesehen, wenigen finanziellen Aufwand. Denn für diese Vorlage wären ca: 21.000€ notwendig. Von diesem Geld bekommen 70 Schüler, bei einem Zuschuss von 1,50€ ca. 200 Tage im Jahr eine warmes Mittagessen. Die Tendenz der Schüler die diesen Zuschuss benötigen ist steigend, weil noch längst nicht alle, die berechtigt wären, einen Antrag gestellt haben. Am Rande sei erwähnt, dass die LINKE der Ansicht ist, die Schülerspeisung weiterhin auszubauen, da sie zu 100% bei unseren Kindern ankommt.

Mittlerweile gibt es genügend Studien die belegen, dass das gemeinsame Mittagessen in Schulen, speziell in Ganztagsschulen ein wichtiger Bestandteil des sozialen Lernens und auch ein Baustein der Gesundheitserziehung ist. Und noch mehr:
Die Entwicklung zahlreicher Körperfunktionen während der Wachstumsphase und die erheblichen körperlichen Veränderungen innerhalb weniger Jahre bedürfen einer ausgewogenen und bedarfsgerechten Versorgung mit Nährstoffen.
Unterernährung und Nährstoffmangel im Kindesalter können negative und langfristige Folgen für Ernährungsstatus, Wachstum, Gesundheit und kognitive Fähigkeiten haben.
Nachgewiesen ist auch, dass sich das gemeinsame Mittagessen positiv auf die Kommunikation untereinander und somit auch positiv auf das Gesamtklima einer Schule auswirken.

Nun noch einige Fakten, was ein Mittagessen bei unseren Kindern noch so bewirken kann. - vollwertiges Mittagessen beugt vielen Krankheiten vor - steigert die Lern - Leistung und mindert die Aggressivität - gleicht die weit verbreiteten Defizite in Ernährung aus ( damit meine ich Fastfood, kein Frühstück usw.) - gemeinsames Essen trägt dazu bei, die Esskultur unserer Kinder zu pflegen und zu verbessern - Lehrer und Schüler profitieren gemeinsam von einem angenehmen Arbeitsplatz

Gerade mit Blick auf die Entwicklung der geistigen Leistungsfähigkeit und den starken Zusammenhang zwischen Bildung und dem Bezug staatlicher Transferleistungen ist es wichtig, allen Kindern bzw. deren Eltern die (finanziellen) Möglichkeiten einer ausgewogenen Ernährung bereit zu stellen.

Zum Schluss lassen sie mich noch etwas polemisch werden…
Sehr geehrter Herr Unternehmer, nachdem wir nun unseren Kindern das Mittagessen verwehrt haben, hoffen wir als Stadt, dass das Anreiz genug ist für sie in unsere Stadt zu investieren…
Oder
Liebe Autofahrer, mit den 21.000€ haben wir in unserer Stadt einige Schlaglöcher ausgebessert, wenn wir ehrlich sind haben die Kinder, die mit dem Bus fahren, ja auch etwas davon…

In diesem Sinne hoffe ich, dass alle Anwesenden dem Antrag 7/2010 zustimmen werden.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit…

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